18.10.21 Hardcore der Banalitäten beim Shoppen in Deutschland

Von Zeit zu Zeit lässt es sich nicht vermeiden, neue Klamotten zu kaufen. Da wir nicht bei der grassierenden Monopolisierung des Einzelhandels mitschuldig werden wollen, also nicht bei Amazon und Konsorten bestellen, lässt es sich nicht ganz vermeiden, uns sporadisch ganz oldschool physisch in Geschäfte zu begeben. Das kann ganz entspannt bis auch ätzend nervig verlaufen. Wer kennt das nicht. Soweit so banal.
Schon seit vielen Jahren beobachten wir [meine M. und ich gehen auch gemeinsam] in den Herrenabteilungen shoppen, dass sie [und nicht ich] von oftmals etwa gleichaltrigen Verkäuferinnen angesprochen wird; 'na was sucht er denn, kann ich ihnen helfen'. Oder kleine Steigerung; 'was hat ihr Mann denn für eine Größe', wohlgemerkt, ich stehe daneben. Wie würde frau allgemein [nicht meine M. ist gemeint] in der Damenabteilung auf eine entsprechnde Bedienung eines männlichen Verkäufers reagieren? Und dieses Niveau geht durchaus weiter. Mann steht nur daneben und denkt [in meinem Fall] was für eine blöde Kuh und ich schlender lässig hihihi weiter. Jou das hilft. Und ich hab' ganz nebenbei mein kleines, bittersüßes Vergnügen. Aber leider, es sind keine Einzelfälle, es ist die Regel. Letztens kam ich aus der Umkleide und die besorgte Kümmerverkäuferin fragte, M. zugewandt; 'na passt es'. . . Ist das nicht herrlich - soviel Dämlichkeit. Wie gesagt, hihihi, so schenkte sie mir ungewollt meine heimliche Freude.
Doch Obacht. Die Zeiten entwickeln sich, und das schlechte Benehmen schreitet rasch voran. Es ist keineswegs mehr reines VerkäuferINNEN - Niveau so zu bedienen. Vergangenen Samstag, wir schlenderten seit Monaten mal wieder durch eine Herrenabteilung. Und hups, da wurde M. nassforsch seitwärts von einem jungen männlichen! Verkäufer angesprochen; 'was sucht er denn, kann ich helfen'. Ja was ist das jetzt. Wieder was dazugelernt, die Kerle machen's jetzt genauso.
Aber hey. Wozu sich über solche Banalitäten echauffieren. Geschenkt. Wer wollte sich an einem jungen, unerfahrenen Verkäufer abarbeiten, der es wahrscheinlich genauso gelernt hat. Nur leider, genau darin steckt das strukturelle Phänomen [Problem?]. Denn was sendet das für Signale aus?! Etwa; er ist sowieso zu blöd selber zu entscheiden, oder - er hat sowieso nichts zu sagen, das macht die Frau, oder - ihr kann ich besser etwas aufschwatzen, als ihm [gilt auch und besonders beim Küchenkauf!], oder - ich hab gerade keine Lust mit ihm zu sprechen, weil er ist ein alter weisser Mann, oder - ich nehme Männer[anliegen] schon lange nicht mehr wahr, hier hat die feministische Indoktrination ganze Arbeit geleistet, oder - schlicht und ergreifend, ich bin halt en VerkäuferInnen-Arsch und mach's wie mir gerade passt. Da ist sowieso niemand, der mehr von mir fordert.
 
Man darf es mir herzlich gerne glauben. Das ist mir alles ziemlich schnuppe, 'hab gelernt, entsprechend mit sowas umzugehen . . .hihihi . . . ist irgendwie ja auch unterhaltsam. Was ich dagegen allerdings durchaus bemerkenswert finde, und deshalb dieser ausführliche Post, ist der Niedergang, ja das Verdrängen, sogar das Verleugnen der eigenen männlichen Identität. Während noch vor einigen Jahren der durchschnittliche Mann durchaus auf seine Individualität achtete, und nicht jeden Blödsinn nachäffte, ist es heute gerade umgekehrt. In aller Regel verhält sich der 'fortschrittliche' d.h. der domestizierte Mann, und viele, viele sind es ja inzwischen, und es werden immer mehr, im Umgang mit Partnerin und Frauen ganz allgemein; zuvorkommend [okay], passiv [eher ängstlich, verschüchtert], unterwürfig [aus Feigheit?] oder gleichgültig [hierbei kann die Motivation weise Einsicht sein, oder aber leider auch nur grottentiefe Dummheit]. Das gilt natürlich nicht für alle deutschen Mannskerle, es gibt ja reichlich Männer aus völlig anderen Kulturkreisen bei uns, die das ganz sicher noch anders handhaben. Aber da wo ich herkomme, in die biodeutsche, bürgerliche Mitte würde ich mich mal einordnen, und in meinem persönlichen Umfeld, Familie, Freunde, Bekannte ist o.g. Beobachtung jederzeit aufzeigbar. Und wenn man sich mal ein schönes Zusammentreffen gründlich vermiesen will, dann spricht man die Jungs bei entsprechendem Verhalten mal direkt drauf an. Die üblichen Reaktionen bestätigen genau das oben Gesagte. Denn es wird abgewiegelt, versucht einen mundtot zu machen mit dem Totschlagspruch 'mach dich mal locker', die übliche Phrase von Leuten, die auf persönliche Fragen mit trotzigen Ablenkungsmanövern reagieren und den Gegenüber zur Zielscheibe machen wollen. Also aus [verletzter Eitelkeit?, Blindheit, Angst vor der Wahrheit] dem Unvermögen sich einzugestehen, wie sie bereits die Laffen ihrer/der Weibchen geworden sind. Oder waren sie das schon immer, lediglich der herrschende Zeitgeist führt es uns drastischer vor Augen ? Nebenbei bemerkt, in TV-Talkshows, z.B. bei Bettina Böttingers 'Kölner Treff' oder bei sog. Ladies-'Comedy', darf Frau gerne Anzüglichkeit, Geringschätzung oder auch Lächerlichmachen gegenüber eines Mannes ungeahndet zelebrieren und, und das ist das eigentliche Phänomen der strukturellen Entmannung, der Gedemütigte wehrt sich nicht mal mehr, lächelt alles höflich weg. Ob das nun aus Souveränität oder Ängstlichkeit vor Frauenschelte geschieht, mag variieren, als Resultat sitzen jedoch mehrheitlich nur noch bedürftige Männleins dort herum, oder solche beneidenswerte KünstlerKreaturen, die von ihrer Promotion-Agentur zwecks Publishing dort gebucht wurden], alle andere [Kerle] kommen garnicht erst.
Aber zurück zum Shopping. Auch die vehemente Behauptung 'das ist mir noch nie passiert' könnte darauf hinweisen, wie gut Verdrängung funktioniert, wenn man nicht mehr weiter weiss. Das Phänomen wird einfach nicht wahrgenommen. Man muss aber wohl davon ausgehen; dass haben schon viele erwachsene Jungs so oder so ähnlich erlebt, man halte Augen und Ohren mal ganz weit auf, in den Herrenabteilungen, schnell wird sich Bestätigung einfinden. Das ist eigentlich ganz banal und doch ziemlich bezeichnend - für ein Phänomen unserer Zeit, die Hardcore Feminisierung der Männer.
- ich sach ja nur -
 
 

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